Erfreulicherweise habe ich endlich den Aufenthaltsort meiner vermissten Bilder vom Big Rig Rescue – Kurs im Juni 09 ausfindig gemacht. Diese Lage war besonders beeindruckend. Letztendlich gar nicht so übel, sah aber wüst aus.

Zu sehen: Schulbus auf Seite, LKW dachlings auf Seite vom Bus, PKW unterm LKW. Ziel: unter dem Bus drei Personen eingeklemmt, zweimal dachlings, einmal unter den Rädern. Tricky war das Anheben ohne Patienten zu zerdrücken. Klick für größere Ansicht

Ein Bagger haut ab. Objekte haben drei Bewegungsachsen bzw. können sich in sechs Richtungen bewegen: rechts / links, oben / unten sowie vorn / hinten. Zu jedem Zeitpunkt des Lifts müssen sämtliche Achsen gesichert sein. Wenn nicht: siehe oben. (Danke Christian)

PKW unter LKW, Personen eingeklemmt. Wir müssen da ran. Darf man den PKW einfach so herausziehen? Auch hier gibt es keine Pauschalantwort – kommt eben drauf an. Sind die Fahrzeuge nicht zu sehr verkeilt, gibt es der Boden her, so spricht nichts dagegen. Grosser Vorteil: ich komme wesentlich besser an den Patienten heran, und spare hinten raus viel zeit. Bei einer Crash-Rettung auch eine Überlegung wert.

Wichtig ist vor Allem, dass der Einsatzleiter oder für die Rettung zuständige diese Entscheidung früh trifft, insbesondere weil man sich die Möglichkeit schnell verbauen kann. Das sind zB gesetzte Spanngurte, Stützen die im Weg sind, oder Hebemittel. Idealerweise sollte man jedoch in beiden Fällen jederzeit auf die Alternative zugreifen können.

Somit: grundsätzlich ja, kommt aber drauf an.

Dass Unterfahrunfälle nicht immer „von hinten“ sein müssen, zeigt dieser mehr oder weniger klassische Fall aus dem Oberbayerischen Grafing – Autofahrer übersieht nachts den Sattelzug. Glücklicherweise kam es zu keiner Einklemmung und nur zu einer leichten Verletzung.

Interessant natürlich aus der „was wäre wenn“-Perspektive, also Echteinsatz. Von den Bildern her ein wenig schwer zu urteilen, insbesondere ist das Gewicht des Aufliegers unbekannt, also ob und welche Beladung mitgeführt wurde.

Bemerkungen: die Hochdruck-Kissen sind schon auf Anschlag – hier hätte ein Unterbau aus Holz geholfen. Den BMW hätte man zumindest hinten mit Spanngurten einfedern können – bedeutet zwar, dass die Räder beim herausziehen blockieren, denke aber nicht dass das für die Winde des Abschleppers ein Problem hätte darstellen können.

Dem Bericht nach wurde der PKW erst mit Hilfe eines Krans befreit.

This incident shows that underrides can and do happen from the side too. It would have helped to use some cribbing under the bags to bring them closer to the lifting point, as would have ratchet belts to tie down the car. Even with blocked tires, friction should be no match for the winch. The car was finally freed with the help of a crane.

Danke Markus und Stefan für den Link.

Hier läuft so viel falsch, das gibt’s nicht. Werfen wir dennoch einen objektiven Blick und freuen uns darüber, dass die Sache scheinbar glimpflich abgelaufen ist, siehe mangelnde PSA und Aufenthalt unter der Last während des Hebevorgangs.

Zunächst ist das Video ein prima Beispiel dafür, dass Hebekissen mitführen nicht automatisch bedeutet, dass man damit umgehen kann. Die Dinger gehören geübt, geübt, und übrigens das Unterbauen auch. Meistens gehären die beiden Themen zusammen.

Doch zum Sachlichen: ich kann nachvollziehen, warum die Klötze auf das Hebekissen kommen, wie man sieht ist das ein Trugschluss: da das Kissen sich um die Achse windet, möchte man einen sauberen Angriffspunkt haben, deshalb die Klötze. Das Ergebnis sieht man.

Diese Szene spielt sich – wenn ich das richtig deute – unter einem Sattelauflieger ab, drei Achsen. angehoben wird unter der mittleren Achse. Gewicht? Wenn der Sattelauflieger leer ist, liegen an der dreifachachse 5 Tonnen an. Für ein Kissen dieser Größenordnung (schätze 6 Tonnen, evtl. 10) eigentlich machbar.

Doch was wäre passiert: luftgefederte Achse wandert erstmal ordentlich nach oben, die zwei anderen Achsen bleiben am Boden. Mit ganz viel Pech hätte man tatsächlich angehoben. Pech, weil: was dann? Wo unterbaut man? In welche Richtung haut er denn seitlich ab?

Danke an Patrick bzw. an Technische-Hilfeleistung.info für den Link via Facebook.

Stabile Seitenlage

Schöner Samstag in Göppingen. Damit nicht das nasskalte Wetter gemeint, sondern eher ein Tag mit Bus – dieser sogar noch fahrtüchtig, wurde auf die Seite gekippt und auf ein Auto gelehnt / geworfen. Das Ganze ein wenig Abseits der Hauptveranstaltung, eine Art Rescue Days, mit ganz viel Weber und in gewohnt guter Ausbildungsqualität. Michael und ich hatten das Vergnügen, Helfer an der Bus Lift-Station auszubilden. Ziel war, ein Lift um ca 30cm in gut 11-12 Minuten, um den PKW frei zu bekommen.

Seiten-Lift

Ein Bus Lift Dachlings auf Asphalt ist an sich der einfachste Lift, einfach wegen der Struktur des Busses, und – insofern er eingebremst ist – ist ein reibungsfreies Anheben möglich. Das Gewicht ist mit 2-3 Tonnen auch eher überschaubar. Die beiden Gruppen kamen im jeweils zweiten Durchgang auf ca. 11-12 Minuten, ein absolut akzeptabler Wert.

Bus LIft Gruppe 2

Aber auch hier gab es etwas Neues zu lernen. Galt es, das Dachprofil für die Seitenabstützung freizulegen, eine große Überraschung: die abgerundete Dachkante ist das Dachprofil. erstmal ein Stück mit dem Airgun herausgebrochen um das überhaupt festzustellen :-/

Profil

Zuletzt noch mit der ersten Gruppe noch einen Längs-Lift probiert. Besondere Freude bereitete dabei die erwartete Seitbewegung, bzw, das Abfangen geneu jener Bewegung mit einem Spanngurt seitlich. Resultat war ein absolut sauberer Lift nach oben, ganz ohne Seitbewegung.

Front Lift

Hier ist die Bilderstrecke bei Flickr. Danke nochmal an die Feuerwehr Göppingen, und insbesondere an das SEK in Göppingen für die Leihgabe des Buses. Ich freue mich sehr auf den Dreiachser :)

Summary

Worked on a Bus Lift with two groups. A Bus Lift is probably the easiest Lift to perform, but it is very educational to provide the basics. Both groups provided a 30cm lift in about 11-12 minutes. Also we were surprised that the roof framework of the  bus was on the outside. We chiseled a square piece with the goal dto gain access to an insertion point for the stabilisation, only to find out that the edge was actually part of the framework. Finally, we performed a longitudinal lift with high pressure bags, and lateral stabilisation using a ratchet belt.

Weiter geht’t mit dem Basketing. Basketing ist die Stabilisierung mittels Ketten. Die einfachste Variante ist das Verbinden zweier völlig symmetrischer Stützen mit einer Kette, in die das Objekt „fällt“ und gehalten wird. Zunächst der „klassische“ Aufbau der Kissen mit Unterbauholz, und Primärstabilisierung mit den grauen Stützen auf Rahmenhöhe. Anschliessend Tausch der Stabilisierung mit den Longshores, Multi-Base-Kopf und eben den Ketten.

So wie jedes System, hat dieses Vor- und Nachteile. Zunächst muss für diese Form des Einsatzes von Ketten das Objekt ziemlich Waagrecht sein. Logisch, denn nunquam dormitat gravitatis, Erdanziehung schläft nie :) Das Objekt wird sich immer auszurichten versuchen, und das muss man immer voraussehen, sonst geht das schief.

Auf der praktischen Seite ging es darum, die Stabilität des Systems zu prüfen. Hier mit einem ausgiebigen Rütteltest:

Heavy Rescue: Basket Shaking from Irakli West on Vimeo.

Bilderstrecke von der heutigen Arbeit hier bei Flickr.

Im Münchner Osten geriet ein 16-jähriges Mädchen mit ihren Beinen unter eine Tram und wurde schwer verletzt. Die Münchner Feuerwehr befreite sie mittels Hebekissen (Bericht als PDF). Besonders interessant: Kranwagen auch an der Einsatzstelle – auch hier sehr „schön“ der Zugriff auf verschiedene Einsatzmittel, mit ihren Vor- bzw. Nachteilen. Wie immer: lieber zu viel als zu wenig Möglichkeiten. Danke an Stefan für den Link.

Katrineholm, Schweden: Bus auf Seite, zwei Optionen der Abstützung. Einmal mit Ketten, einmal mit freigelegtem Profil.

Two stabilisation options: one with chains, one with access to the roof

„klassische“ Lage, diesmal aus Århus, Dänemark. Ziel für nächstes Jahr: vollmachen und das Auto noch weiter unterschieben. Aber auch so eine „schöne“ Lage (nicht falsch verstehen), und auch hier gilt: wie mit existierenden Eigenmitteln sichern?