Nichts ist so beständig wie die Veränderung – auch bei unserer Ausbildung nicht. Die meisten unserer Module haben nach ein Paar Jahren wenig mit den ersten Durchgängen gemeinsam. Das kann an den gewonnenen Erkenntnissen liegen, aber auch an einer Weiterentwicklung des Stands der Technik.

(English speakers – please use translation services such as Google Translate)

In Bezug auf den Lehrgang „Hoch- und Tiefbauunfälle“ (je 8 und 24 Stunden) hat sich in den letzten acht Jahren auch viel getan: sowohl bei Taktik und Technik, sowie Kursaufbau.

Anhand des im April 2019 in Freilassing durchgeführten Kurses sollen nun die wichtigsten Eckpunkte vorgestellt werden. Eine Bilderstrecke findet ihr ganz unten im Anhang.

Abstützen: Setzen eines Schwelljochs

Grundsätzliches: Hintergrund

Die Erwartungen an Rettungskräfte nach Hoch- und Tiefbauunfällen sind z. Bsp. in der Rüstwagen-Norm DIN14555-3 definiert. Dort steht in Bezug auf „unseren“ Themen:

„Der Rüstwagen ist keine selbstständige Einheit, sondern wird in der Regel mindestens zusammen mit einem wasserführenden Löschfahrzeug eingesetzt. Dabei werden vom Rüstwagen in erster Linie folgende Einsatz-bereiche abgedeckt bzw. folgende Aufgaben wahrgenommen:

  • (…)
  • Unfälle auf Baustellen;
  • (…)
  • Gebäudeeinstürze;

In Bezug auf die Abwicklung von Einsätzen nach Gebäudeschäden sei auf die vfdb-Richtlinie 03/01 „Hinweise für Maßnahmen der Feuerwehr und anderer Hilfskräfte nach Gebäudeeinstürzen“ hingewiesen.

Die für uns bzw. unserer Ausbildung relevanten Informationen sucht man dort jedoch vergebens: Wie ist denn der Standard zu definieren, in Bezug auf:

  • Definition der Standardlagen
  • Erwartungshaltung an die erst eintreffenden Kräfte in Bezug auf:
    • Ausbildung (Notwendige Grundfertigkeiten, Können der Mannschaft)
    • Angepasste Taktik, Einsatzstruktur
    • Erkundung
    • Möglichkeiten und Grenzen des Erstschlags

Im neu erschienenen THW-„Handbuch Fachausbildung Bergung: Absichern von Bauwerken und Bauwerksteilen“ gibt es auf den ersten Seiten relevante Einsatzhinweise für Feuerwehren, z.Bsp. den Aufbau der Einsatzstelle. Logischerweise haben die Kollegen in blau einen etwas anderen Blick auf die Materie, angefangen von Traglastberechnungen hin zum weitläufigen, langfristigen Einsatz von Holzkonstruktionen.

Für die Feuerwehren als „übliche, zu erwartende ersteintreffende Einheit“ muss man das Ganze ein Bisschen umdrehen:

  • Man führt sehr begrenztes Material mit: was ist damit möglich? Wo ist die Grenze?
  • Worauf muss ich achten? Vor Allem die Eigensicherung?
  • Wie strukturiere ich die Einsatzstelle (Aufbau, Struktur der Mannschaft?)
Schnittplatz

Die Standardlagen, mit denen wir arbeiten, sehen in etwa so aus:

  • (Hoch-)bau: PKW/LKW in Haus in Ziegelbauweise, Person in Fahrzeug eingeschlossen, Struktur des Gebäudes beschädigt
  • Tiefbau: Person nach einseitigem Teileinsturz einer ungesicherten Baugrube in ca. 250cm Tiefe verschüttet, verletzt, ansprechbar

Beide Lagen sind eindeutig zeitkritisch.

Grundsätzliches: Taktik

Nachdem wir uns lange auf das Abwickeln einer Einsatzlage in Zugstärke konzentriert haben, versuchen wir nun verstärkt auf eine realistische Abfolge der eintreffenden Einsatzkräfte zu fokussieren. Das wären in der Regel zwei Gruppen, in der Abfolge:

  • Zugführer + Assistent 1/0/1
  • Erstes HLF 0/1/8
  • RW 0/0/2 plus zweites HLF 0/1/6+
  • Sonderfahrzeug, z.Bsp. AB Holz, GW-L etc. 0/0/2

Gesamt 1/2/17+, in der Ausbildung – und real – natürlich abhängig von der Anzahl von Mannschaft. Die Eintreffreihenfolge und -Abstände der Fahrzeuge können dabei variiert werden. Grundsätzlich wollen wir aber verstärkt auf die Erstmaßnahmen der ersten Gruppe mit HLF eingehen, also dessen Aufgaben bis zum Eintreffen weiterer Kräfte.

Die Struktur der Einsatzstelle mit der Aufteilung in die Abschnitte: Gefahrenbereich / Ablage – Logistik – Holz / Bereitstellung bleibt bestehen.

Auf die daraus resultierende Taktik, mit spezifischen Aufgaben für die Gruppen, wollen wir auf einem späteren Zeitpunkt eingehen, gerade im Bereich der Abstützung müssen wir die bereits gewonnenen Erkenntnisse ausarbeiten und weiter erproben.

Wesentliche Herausforderung ist die durchgängige Beibehaltung der Einsatzstellenstruktur, insbesondere da Mannschaft nach Bedarf zwischen Gruppen verschoben wird – unter Umständen unvermeidlich um effizient zu arbeiten. Bei Tiefbau benötigt man Anfangs mehr Personal beim Verbau.

Uns ist auch bewusst, dass die Eintreffzeiten und -stärke des THW sehr unterschiedlich sein können. Je nach „örtlicher Gegebenheit“ kann die Abfolge natürlich angepaßt werden.

(Hoch-)Bauunfälle/ Gebäudeschaden

Mit Blick auf Abstützarbeiten würde man vom Rüstzug Folgendes erwarten können:

  • Innen: Lotrechte Stütze
  • Innen: Schwelljoch ohne Kreuzverschwertung
  • Außen: Einfacher bzw. Notstützbock ohne Verbolzung
  • Ggf. erweiterte Abstützung (in Verbindung mit AB / Holzkonzept)
Lotrechte Stütze aus Holz (oben), mit Windenstützen (unten), sowie Schwelljoch mit Rettungsstützen, halber Verschwertung (vorne). Rissbild am Gebäude über der Tür.
(Not-)Stützbock mit Winden- bzw. Baustützen (rechts) und Rettungsstützen (links)

Die Möglichkeiten eines HLF nach Norm sind bei diesen Szenarien sehr begrenzt.

Primäre Aufgabe wird die Erkundung (v.A. Gebäudeschäden, offensichtliche Gefahren wie z.Bsp. Gas, Strom, usw.) sowie das Abstecken eines Gefahrenbereichs sein – ggf. auch die Struktur der Einsatzstelle einrichten (Bestimmung der Bereiche).

Technische Möglichkeiten:

  • Absperrung
  • Ausleuchten
  • Beseitigen von Gefahren (Strom, etc.)
  • Versorgung der Verletzten
  • Je nach vorgefundenem Material vor Ort einfachste Abstützung (Lotrechte Stütze aus Holz)

Mit dem RW und dem zweiten HLF kann dann schon mehr erreicht werden:

  • Einrichtung eines Holzschnittplatz (inkl. Überdachung, Beleuchtung)
  • Strom, Licht
  • Oben beschriebene Abstützmaßnahmen (Not-Abstützung)
  • Idealerweise technische Rettung

…die endgültige Sicherung des Gebäudes wäre dann normalerweise Auftrag des Technischen Hilfswerks.

Tiefbauunfälle

Hier muss der Rüstzug den gesamten Rettungsverbau bis zur Rettung der verschütteten Person selbst setzen.

Gerade das HLF kann mit sehr wenig Aufrüstung einen erheblichen Beitrag leisten. Dieses haben wir bereits in diesem Artikel beschrieben.

Sofort-Sicherung mit HLF- bzw. Minitafeln

Den Einsatz des HLF im Erstschlag haben wir seitdem wiederholt beübt, ausgebildet und verfeinert, die größte Herausforderung bleibt weiterhin der Übergang von der ersteintreffenden Gruppe hin zum vollen Zug.

Analog zum Abstützen von Gebäuden bleibt dieses ein Schwerpunkt in der nahen Zukunft.

Sonstiges

Auch vier Ausbildungstage sind knapp gehalten. Ein Paar Fragezeichen im Rahmen der Ausbildung bleiben noch, über die wir uns Gedanken machen müssen:

Einbindung des Sicherheitsassistenten: Er ist und bleibt unerlässlich. Ein ordentlich funktionierender Sicherheitsassistent benötigt jedoch eine entsprechende Schulung nicht nur seiner Funktion, sondern er sollte auch thematisch „drin“ sein. Hier müssen wir uns überlegen, ob man diese Rolle im Grundlehrgang nicht den Ausbildern zuweist.

Medizinische Aspekte: Der Kurs beschränkt sich auf das Setzen eines Verbaus, medizinische Aspekte (Betreuung und Rettung des Patienten) werden nicht berücksichtigt. Hier könnte man das unter Umständen – und sehr einfach gehalten – aufbohren.

Rettung des Patienten bei Tiefbauunfällen. Nach dem Setzen des Verbaus beginnt die eigentliche Rettungsarbeit, also das Ausgraben des Patienten. Man könnte evtl. im Grundlehrgang eine sehr einfache Übung einbauen.

Wir hoffen unterm Strich, dass wir irgendwann eine ausreichende Anzahl „grundausgebildeter“ Teilmehmer haben, um einen weiterführenden Lehrgang auf die Beine zu stellen – vorstellbar wäre das für die zweite Hälfte 2020. Mögliche Inhalte:

  • Wiederholung bzw. Auffrischung
  • Rettung in tiefen Gruben ca. 4m
  • Ausgraben des Patienten
  • Komplexe „echte“ Grube mit variabler Breite und Tiefe

Über Feedback freuen wir uns natürlich weiterhin!

An dieser Stelle nochmals vielen Dank an die Teilnehmer des 2019er Kurses – hat Spaß gemacht. Ein Dank geht auch an Tanja Hellmann für die klasse Bilder.

Bilderstrecke

Schraubmuster
Einkeilen lotrechte Stütze
Stützbock
Grundlagen: Tafeln setzen
Einsatz Zweibein
Brücke „neue Form“ mit zwei statt drei verbundenen Bohlen
„T“-förmig Grube mit Abstützung der Außenwände

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