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MUSAR Trench Symposium 2017: 8 Erkenntnisse

[NB Bilderstrecken und Videos in Arbeit]

Nach 2015 (Trench Rescue Technician, 40h) und 2016 (Advanced Trench Rescue Symposium, 32h) hatte ich nun das Vergnügen, am 2017er Symposium als “Alumni” teilzunehmen und das Ausbildungsteam zu unterstützen – somit haben sich auch einmalige Eindrücke auf der Anderen Seite ergeben.

Auch kamen diesmal große und kleine Erkenntnisse heraus. Einige nicht zwingend neu, aber bisher eher untergegangen. Hier sind acht Erkenntnisse aus 2017:

After attending the ’15 Tech class and ’16 Symposium, I had the pleasure of participating as a deck hand at this years’ Symposium. Again, a massive amount of takeaways, some of them details I missed from last time. Here’s eight takeaways:

Erkenntnis 1: Aufnahmelast des Systems

Die wichtigste Erkenntnis: Bei der Gebäudeabstützung gibt es Abhandlungen über Aufnahmelasten von Abstützsystemen noch und nöcher: was kann ein Kreuzholzstapel mit 10er Kanthölzern ab? Was nimmt ein zweifach-Schwelljoch auf? Ausgangspunkt ist die potenzielle Last des eingestürzten Gebäudes, die sich berechnen lässt. Darauf muss die Abstützung abgestimmt sein.

Test der Aufnahmelast

Bei Tiefbauunfällen? Fehlanzeige, bis Ron Zawlocki und seine Mannschaft sich dessen angenommen haben. Bei den in den letzten Jahren von mir besuchten – und abgehaltenen! – Kursen kommt der potenzielle Erddruck nirgends vor. Dabei kann auch dieser relativ einfach berechnet werden.

Mit diesem Erddruck als Grundlage sollten wir dann wissen, ob unser Rettungsverbau ausreichend dimensioniert ist. Die Bruchlast von einzelnen Komponenten sind teils bekannt, teils unbekannt. Hier setzt MUSAR an und testet alle Möglichen Komponenten, und viel wichtiger: Komplette Systeme. Zudem wird eng in Verbindung mit dem Statiker der Michigan Task Force gearbeitet, der die Tests mitbegleitet und validiert. Durch die standardisierten Tests können nicht nur absolute, sondern auch relative Aussagen getroffen werden.

Test eines Systems in einer L-Grube

Auch wir bei HRG können somit für unsere “Standards” diese Werte anwenden – bis auf Weiteres die von MUSAR, nach Möglichkeit werden wir die Angaben, insbesondere die Annahmen bei Erddruck, auch bei uns insoweit möglich verifizieren.

Lesson 1: We should know the strength of the rescue systems we put in place. We know breaking strengths of components, but not of an entire system put together. This is also in relation to soil pressure. Ron Zawlocki and his team put great emphasis on destructive testing, as a complement to “theoretical drawboard design”. Tests can be replicated with various components, and thus become comparable.

Erkenntnis 2: Kollabierte Tiefbaugruben sind keine Baustelle!

Hier geht es vorrangig um Arbeitssicherheit, beispielsweise DIN 4124 “Baugruben und Gräben, Böschungen, Arbeitsraumbreiten, Verbau”, bzw. den US-Pendant bei der OSHA. Inwieweit ist dies für den Rettungsverbau gültig? Muss sich eine Rettung daran orientieren?

Arbeiten in der ungesicherten Baugrube

Grundaussage: Wenn es eine zeitkritische Rettung ist, darf davon abgewichen werden. Ist es eine Bergung, sollte das als “normale” Baustelle mit entsprechenden Sicherheitsmassnahmen betrachtet werden. Sicherheitsvorschriften gelten eben für intakte Baugruben.

Hier kommen auch die pneumatischen Rettungsstützen ins Spiel, da sie von außen gesetzt werden können. Ansonsten müssen Rettungskräfte in die ungesicherte Baugrube steigen.

Auch dies ist eine Hausaufgabe für uns – man kann nicht von einer Feuerwehr erwarten, dass sie eine Mannschaft mit ausgebildeten Tiefbauspezialisten stellt, ob Polier oder Ingenieur. Wir müssen so arbeiten, dass wir sicher vorgehen können. Diese Aussage mit einem Ausschluß: diese Entscheidung müsst ihr selber treffen.

Lesson 2: collapsed trenches are not a construction site (although they happen at a construction site) – hence Health and Safety regulations do not, or do not necessarily apply, in particular if it is a rescue. If it is a recovery, it becomes a construction site. This is with a disclaimer – make your own call on this.

Erkenntnis 3: Das PKW-auf-Rädern-Ausbildungs-Syndrom

Viele Feuerwehren bilden Technische Hilfeleistung / VU PKlemm am intakten PKW auf allen vier Rädern aus. Grundsätzlich eine gute Sache um Grundlagen der Abläufe zu schaffen und den Umgang mit Gerät zu erlernen. Doch dann sollte es an realistischere Lagen gehen: PKW auf Seite, Dach, mehrere Insassen, etc. Einleuchtend.

Bei unserer Tiefbau-Ausbildung verhält es sich auch so. Beton-Übungsgruben wie die in Freilassing, oder gerade, gegrabene Gruben sind eben für die Grundlagen hervorragend geeignet. Doch nun sollten wir auch mit “Problemen” aufsetzen: unebene Wände, verschiedene Aushöhlungen, unebener Grubenboden. Diese Ausgabe des MUSAR Symposium hat sich intensiv mit dem Herstellen verschiedener Probleme beschäftigt – viel Inspiration und eine ordentliche “Toolbox” um solche Herausforderungen in unseren Ausbildungen einzubringen.

“Backshore”

Lesson 3: The Car on its Wheels Syndrome. Ever train extrication with an intact car on its wheels? That is a great way to learn basic processes, team dynamics or about your tools. But do move on to more complex and realistic scenarios. 

Same applies to Trench rescue training: use a simple, clean, straight trench for basics. Then move on using one or several problems of the whole array we saw at the symposium: Voids, spoil on the floor, etc.

Erkenntnis 4: Luft auf Drei Stützen

Beim Setzen der drei Stützen an einem Tafel-Paar sind alle drei gleichzeitig mit Y-Stück mit Luft beaufschlagt. Eigentlich logisch. Kein Hexenwerk.

Drei Abgänge mit Y-Stück

Lesson 4: Air on all three struts. No-brainer, but we missed it to this day: Use a Y and put air on all three shores on a panel.

Erkenntnis 5: Reihenfolge

Weg vom 1-2-3 Dogma (unten zuerst, dann oben, etc.). Dir Grube gibt die Reihenfolge vor. Droht die Wand zu kippen, oben zuerst. Wird sie zuerst unten aufbrechen – Stütze unten. Und Stützen werden einzeln auf Maximaldruck hochgefahren. Erste Stütze bis 17 bar, dann zweite Stütze setzen.

Lesson 5: order of things. Forget about the “lower strut first” dogma – it all depends on the situation. If the wall is about to topple, then upper strut first. If it is about to rotate or slough, lower strut first.

Erkenntnis 6: Niederdruck-Hebekissen

Bis zu einem Neigungswinkel der Wand von 20° sind Niederdruck-Hebekissen das Mittel der Wahl und sollten zwingend Bestandteil der Ausrüstung sein. Der Druck im ND-Hebekissen ist: Tiefe in Fuss / 2 und zwar in PSI. Wir arbeiten an der Umrechnung der ganzen Drücke in Meter und bar. Außerdem gibt es eine optimale Einfädelung der Seile, damit das Kissen auch optimal in einen Hohlraum hineinwachsen kann. Go Niederdruck-Hebekissen!

Gesetztes Niederdruck-Kissen

Lesson 6: Low Pressure bags: they are a must for any aspiring Trench Rescue cache – nothing beats a bag to fill a void up to 20° slant, particularly if the void is low or close to the trench floor. Pressure is set at depth in feet x 0,5. We also used a simple, but effective way of threading them so they can grow into the void.

Erkenntnis 7: Leiter-Binderiegel ist nicht.

Eine (US-)Leiter mit aufgesetzter 20×5 Bohle, als Binderiegel verwendet, hat eine Aufnahmelast von unter 2.000 Pfund, also weniger als 1 Tonne. Somit eignet sie sich nur in gehauenem Fels, aber nicht für unsere bindigen oder gar rolligen Böden.

Zerstörter Binderiegel mit Leiter

Übrigens: Die Aufnahmelast eines vorgespannten Binderiegels halbiert sich. Der Raum zwischen einem Binderiegel und der Rettungstafel sollte mit einem Holzschuh überbrückt werden.

Lesson 7: Ladder wale? Don’t do it unless it is granite. Breaking strenght of this (US) ladder with a 2×10 on the back is less than 2000 pounds.

Erkenntnis 8: Sicherer Bereich

Da waren wir uns bis jetzt unsicher. Klar, immer situationsabhängig, aber “sicher” ist der Bereich innerhalb eines mit 2 Stützen gesicherten Tafelpaares.

We were a bit unsecure about this one, and it always depends on the situation. Per se, the area within a panel pair secured by at least two shores can be counted as secure.

…und sonst…(1)

Wurde die WASP vom Statiker während zwei Tests erfolgreich eingesetzt: Einmal direkt an der Rettungstafel, und einmal am Bagger als Gegenlager.

MI-TF engineer tested the WASP on two test setups: ladder wale, and digger bucket backshore. Worked beautifully. 

(2)…

waren es natürlich wesentlich mehr Informationen, die wir dann nachgelagert in unsere Ausbildung einfließen lassen wollen. An dieser Stelle ein ganz persönliches und riesiges Dankeschön an Ron Zawlocki für die Gastfreundschaft. Wieder mal war das eine astreine Schlammschlacht, die die Mannschaft wunderbar zusammenwachsen lässt. Wir bleiben dran!

And finally, a very big thank you to Ron Z and his crew for letting me help out, again a muddy and refreshing week in the field – just as it has to be, absolutely perfect!

 

 

 

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